"Denken Sie daran: Das ist Ihr Wald!"
Waldbegehung mit Bürgermeister und Hessen-Forst
25. Oktober 2014
 

Wilfried Mogk, Bernd Reißmann,

Reinhard Käther und Thorsten Roos
 

Im wahrsten Sinne des Wortes haben am Samstag Nachmittag 35 Bürgerinnen und Bürger "Echzell erlebt". Bürgermeister Mogk hatte eine eingeschlafene Tradition wiederbelebt und zu einer Waldbegehung eingeladen. An der "Rentnersruh" begrüßten er und die zuständigen Mitarbeiter von Hessen-Forst, Forstamtsleiter Bernd Reißmann und Revierförster Reinhard Käther sowie Gemeinde-Waldarbeiter Thorsten Roos die Anwesenden.

Bevor sich der Tross in Bewegung setzte, gab es allgemeine Informationen zum Echzeller Gemeindewald, der mit einer Größe von rund 600 ha durchaus beeindruckend ist. "Denken Sie daran: Das ist IHR Wald, den wir für Sie pflegen, betreuen und vermarkten", so die Aussage der Hessen-Forst Mitarbeiter. Jeder ist eingeladen, den Wald zu besuchen, zu erleben und mit allen Sinnen zu genießen, man muss aber auch daran denken dass der Gemeindewald eine beträchtliche Einnahmequelle für Echzell darstellt.

Bei dem Echzeller Wald handelt es sich um eine Mischwaldzone, in der sich Nadel- und Laubholz in unterschiedlichen Anteilen finden. Vor rund 40 Jahren gab es hier ausschließlich Buchen, die aber dann von schnell wachsenden Fichten abgelöst wurden. "Der Boden ist entscheidend", so die Referenten. Vor rund 300 Jahren wurde der Wald ganz anders genutzt als heute. So wurden die Tiere in den Wald getrieben um sich im Rahmen der Mast an den Früchten wie Eicheln und Bucheckern gütlich zu tun. Das Laub wurde in den Ställen als Streuersatz verwendet. Das Holz selbst benötigte man in Bad Nauheim und Bad Salzhausen zum Salzsieden und in den umliegenden Hütten zur Eisenerzgewinnung. Durch diese Ausbeutung litten die Böden und waren entsprechend nährstoffarm.

Etwa nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Wald mehr oder weniger "in Ruhe gelassen" so dass er und der Boden sich mehr und mehr erholen konnte. Nicht zuletzt die Einführung von Entschwefelungsanlagen Mitte der 80er Jahre führte dazu, dass der Boden heute sehr gute Werte aufweist. Die Nachhaltigkeit im Waldanbau und das Kosten-Nutzenverhältnis werden durch den Einsatz verschiedener Erntetechniken wie des Vollernters "Harvester" und dem Einsatz von Rückepferden unterstützt.

Ein großes Problem stellen vielfach die Rehe und Wildschweine dar. Neu bepflanzte Gebiete werden von diesen Tieren heimgesucht die die Setzlinge entweder als Nahrung zu sich nehmen oder, wie die Rehböcke, an den jungen Stämmen ihre Geweihhaut abreiben, das so genannte "Fegen". Hier müssen Förster und Jäger sich ihrer Verantwortung bewusst sein und besser zusammen arbeiten.

Dass ein Wald nicht unbedingt aufgeräumt aussehen muss, wurde an einem neu bepflanzten Waldstück erläutert, auf dem u.a. Eichelhäher und Eichhörnchen es geschafft haben, für pflanzlichen "Nachwuchs" zu sorgen. Auch selbst gezogene Lärchen und Douglasien entlasten die Gemeindekasse, da dadurch ein Zukauf vermieden wird. Weiter lässt man das bei der Ernte entstehende "Abfallholz" gerne auf dem Boden liegen, wo es als perfekter Dünger und als Lebensraum für viele Tiere dient.

Zum Abschluss der Veranstaltung lud Bürgermeister Mogk die Anwesenden zu einem kleinen Imbiss in die "Rentnersruh" ein, so dass der Waldbegehung noch viele interessante Gespräche folgten. Forstamtsleiter Reißmann wies noch darauf hin dass sich im kommenden Jahr der verheerende Sturm "Wiebke" zum 25. Mal jährt und dass in einigen Kommunen Informationsveranstaltungen hierzu geplant würden. Wilfried Mogk will dieses Thema im nächsten Jahr ebenfalls aufgreifen. Auch der Frage eines Bürgers, ob es denn möglich sei, das im Echzeller Forst geschossene Wild käuflich zu erwerben, will der Bürgermeister nachgehen und mit den Jagdpächtern sprechen.

Fazit: Eine informative und interessante Veranstaltung bei der jeder die Gelegenheit hatte, den "eigenen" Wald besser kennen zu lernen und auch mit anderen Augen zu sehen.

Treffen an der "Rentnersruh"
Erste Infostation an einer "Rückegasse" für den Vollernter "Harvester"
Ohne Hinweis kaum sichtbar: Zerstörungen durch Reh und Wildschwein
Neu angepflanzte Bäumchen
Reinhard Käther präsentiert eine etwa einjährige Douglasie
Selbst gezogene Eiche
Die eine oder andere Anekdote gab es von Bernd Reißmann
 
Waldimpressionen
 
 
 
 
 
 
 
 
Text und Bilder: Thomas Wettig